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    KI und Tools

    KI-Texte menschlich schreiben: Was „Claudish“ ist und was Opus 5.5 daran ändert

    Von Claudia-Rabia Mönnig, 7 Min. Lesezeit ·

    LinkedIn bestraft KI-Content. Zumindest den, den man nach zwei Zeilen erkennt.

    Dafür braucht die Plattform gar keinen KI-Detektor. Der sitzt im Kopf deiner Leserinnen und Leser. Sie erkennen das Muster, scrollen weiter, und genau das sieht der Algorithmus: Niemand bleibt bei deinem Post hängen. Auf Instagram ist es übrigens genauso, nur dass dort die Caption seltener gelesen wird.

    Ich schreibe jeden Tag mit KI. Meine Posts, meine Skripte, die Texte für meine Kundinnen. Und trotzdem soll niemand merken, dass Claude mitgeschrieben hat. In diesem Artikel zeige ich dir, woran man KI-Texte erkennt, was das neue Modell Claude Opus 5.5 daran verbessert und wie du die restlichen Muster selbst rausbekommst.

    Was ist „Claudish“?

    „Claudish“ ist ein Spitzname für den Schreibstil von Claude, vor allem vom Vorgängermodell Opus 5. Gemeint sind Texte, bei denen man nach einem Absatz weiß, dass hier eine KI geschrieben hat: lange Sätze, Metaphern, wo ein normaler Satz gereicht hätte, und Gedankenstriche ohne Ende.

    Es gibt dazu sogar Zahlen. Laut einer Auswertung von Arena, die Bing Wu in seinem Artikel über das Schreiben mit Opus 5.5 zusammenfasst, schrieb Opus 5 im Schnitt 510 Wörter pro Antwort. Das Modell davor kam auf 158. Die Sätze waren 58 Prozent länger, und Gedankenstriche tauchten mehr als doppelt so oft auf.

    Dazu kam ein zweites Problem, das ich aus der Praxis kenne: Opus 5 hat sich am Anfang an Stilvorgaben gehalten und sie nach ein paar hundert Wörtern einfach vergessen. Du hast also eine schöne Einleitung bekommen und ab der Mitte wieder Standard-KI.

    Was Claude Opus 5.5 beim Schreiben besser macht

    Opus 5.5 ist seit dem 22. September 2026 verfügbar. Anthropic verspricht drei Dinge: Das Wichtigste steht zuerst, es gibt weniger Fachsprache und seltsame Formulierungen, und das Modell hält sich an die Schreibregeln, die du ihm gibst.

    Der dritte Punkt ist für mich der wichtigste. Wenn ein Modell deine Regeln über den ganzen Text hinweg befolgt, reichen ein paar gute Zeilen Anweisung plötzlich aus. Bei Opus 5 konntest du schreiben, so viel du wolltest.

    Ehrlicherweise muss man dazusagen: Die Belege kommen bisher vor allem von Anthropic selbst und von frühen Testkunden. Einen großen unabhängigen Vergleich gibt es noch nicht. Mein Eindruck aus den letzten Wochen deckt sich aber damit, die Texte sind kürzer und direkter.

    Diese Muster rutschen immer noch durch

    Von allein schreibt auch Opus 5.5 nicht wie du. Vor allem bei längeren Texten tauchen ein paar typische Muster weiter auf. Wenn du sie einmal kennst, siehst du sie überall im Feed.

    Die Kehrtwende

    „Das ist kein Marketing-Problem. Das ist ein Klarheits-Problem.“ Einmal im Text ist so ein Satz völlig okay. In jedem dritten Absatz liest er sich wie eine Schablone.

    Immer genau drei

    KI liebt Dreiergruppen. Wenn es nur zwei gute Gründe gibt, erfindet sie einen dritten dazu, und alle drei Sätze sind gleich lang. Echte Menschen zählen nicht so ordentlich.

    Gedankenstriche

    Seltener als bei Opus 5, aber immer noch da. Ich lasse sie inzwischen komplett weg und setze stattdessen einen Punkt oder ein Komma. Das liest sich fast immer besser.

    Zu viel Struktur

    Ein Gedanke, der in einen Absatz passt, bekommt plötzlich Zwischenüberschriften, Aufzählungspunkte und fett markierte Wörter. Sieht ordentlich aus, klingt aber nach Präsentation statt nach Mensch.

    Der Rückblick und die Schlussfrage

    Der Text fängt damit an, die Frage noch einmal zu wiederholen, und hört damit auf, sich selbst zusammenzufassen. Ganz am Ende kommt dann eine Frage an die Leser, die keiner beantworten will.

    Warum „schreib menschlich“ nicht funktioniert

    Die meisten versuchen es mit einer allgemeinen Anweisung: „Schreib menschlich“ oder „Klingt bitte nicht nach KI“. Das hilft kaum. Die KI tauscht dann nur ein Standardmuster gegen das nächste.

    Was wirklich wirkt, sagt Anthropic in seinen eigenen Prompting-Tipps: Nenn die Muster, die du nicht willst, beim Namen und gib zu jedem ein Beispiel. Und sag dazu, wer deine Leserin ist. Je konkreter die Regel, desto besser hält sich das Modell daran.

    Das zweite, was wirkt, sind deine eigenen Texte. Regeln sagen der KI, was sie vermeiden soll. Sie sagen ihr aber nicht, wie du einen Gedanken formulieren würdest. Dafür braucht sie zwei, drei Beispiele von dir, am besten von derselben Art Text.

    So mache ich es in meinem Alltag

    Ich arbeite mit drei Bausteinen, die zusammen laufen.

    Erstens eine Nie-Liste. Darin stehen Wörter und Muster, die ich nie benutze: Gedankenstriche, „ganzheitlich“, „nahtlos“, Ausrufezeichen am Satzende, die Kehrtwende als Dauerschleife. Jedes Muster mit einem Beispiel.

    Zweitens echte Texte von mir. Notizen, die ich ohne KI geschrieben habe, zum Beispiel im Flugzeug. Daraus lernt Claude, wie ich einsteige, wo ich Klammern setze und wann ich mich selbst nicht ganz ernst nehme.

    Drittens ein Prüf-Skill. Jeder Text läuft am Ende durch einen Skill, den ich dafür gebaut habe. Er sucht genau diese Muster, sagt mir, warum sie nach KI klingen, und schlägt eine Umschreibung vor. Ich entscheide dann selbst, was ich übernehme.

    Wenn du heute anfangen willst, nimm diesen Prompt als Startpunkt und pass die Klammern an:

    „Schreibregeln für alle meine Texte: Meine Leserin ist [deine Zielgruppe]. Fang mit dem wichtigsten Punkt an, ohne Vorgeschichte. Sag Dinge direkt, keine Metaphern, wenn ein normaler Satz reicht. Nutze ‚Das ist kein X, das ist Y‘ höchstens einmal pro Text. Keine Gedankenstriche, nimm Punkt oder Komma. Nenn so viele Punkte, wie es wirklich gibt, nicht automatisch drei. Keine Zusammenfassung am Ende und keine Frage an die Leser. Hier sind drei Texte von mir, achte auf Satzlänge, Wortwahl und wie ich anfange und aufhöre: [deine Texte].“

    Wie du dir so eine Stimme Schritt für Schritt aufbaust, habe ich ausführlich im Artikel über Brand Voice mit Claude trainieren beschrieben.

    Der eigentliche Test ist deine Stimme

    Hot Take: KI ist für mich der Test, ob du eine eigene Stimme hast. Wer eine hat, wird mit KI schneller. Wer keine hat, klingt durch KI wie alle anderen.

    Opus 5.5 nimmt dir einen Teil der Arbeit ab, weil es sich endlich an deine Regeln hält. Die Regeln selbst und die Texte, aus denen es lernen soll, kann dir aber kein Modell schreiben. Das bleibt dein Job, und ehrlich gesagt ist es auch der schönere Teil.

    Du willst sehen, wie so ein System im Alltag läuft, von der Sprachnachricht bis zum fertigen Post in deiner Stimme? Im kostenlosen KI-Live-Workshop am Donnerstag, 22. Oktober, um 10 Uhr zeige ich dir mein ganzes Content-System, inklusive Prompts und Tool-Liste.

    Häufige Fragen

    Was bedeutet „Claudish“?

    Ein Spitzname für den typischen Schreibstil von Claude, vor allem vom Modell Opus 5: lange Sätze, viele Gedankenstriche, Metaphern statt direkter Aussagen und Standardwörter, an denen man KI-Texte schnell erkennt.

    Schreibt Claude Opus 5.5 menschlicher als Opus 5?

    Laut Anthropic und frühen Testern ja. Die Antworten sind kürzer, das Wichtigste steht zuerst, und das Modell hält sich besser an Schreibregeln. Ohne eigene Regeln und Beispieltexte schreibt es aber trotzdem nicht wie du.

    Wie bekomme ich KI-Muster aus meinen Texten?

    Nenn der KI die Muster, die du nicht willst, einzeln und mit Beispiel, zum Beispiel Gedankenstriche, Dreiergruppen und die Kehrtwende „Das ist kein X, das ist Y“. Gib ihr zwei bis drei eigene Texte als Vorlage und prüf das Ergebnis vor dem Posten noch einmal gezielt auf diese Muster.

    Erkennt LinkedIn KI-generierte Texte?

    Einen öffentlich bestätigten KI-Filter gibt es nicht. Entscheidend sind die Leser: Wer einen Post nach zwei Zeilen als KI-Text erkennt, scrollt weiter, und weniger Lesezeit bedeutet in der Regel weniger Reichweite.

    Claudia-Rabia Mönnig

    Claudia-Rabia Mönnig

    Gründerin Soulcialful Media

    Ich helfe Coaches und Personal Brands dabei, Social Media strategisch und authentisch zu nutzen.

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